Donnerstag, 5. Oktober 2006
schnizzl, 06:17h
wie hass entsteht oder die chronologie der hassgenese
4 stunden schlaf - sind eine gute voraussetzung. in der küche stehen vereinzelt leere und halbleere sternburg-bierflaschen, süffig, würzig. da kommen die erinnerungen der letzten nacht wieder ins bewußtsein: rote farbe, schwarze farbe, zeitungsschnipsel und - metal. eigentlich brauche ich einen kaffee. aber alle tassen stehen im spülbecken unter der fettigen pfanne - abwaschen. dies ist die erste stufe: wenn ein tag so anfängt...
und warum stehen die assis nicht auf. die hören, dass ich abwasche und tun so als würden sie schlafen. gut, so würde ichs auch machen. aber ich bin wach und steigere mich in meinen putzwahn jetzt erst richtig hinein... staubsaugen wäre angesagt, aber ich habe mitleid mit den kreaturen, die noch hinter verschlossenen türen friedlich schlummern, wahrscheinlich zwar mit stöpseln in den ohren, aber von einem staubsauger geweckt zu werden... das wäre unmenschlich. warum -for gods sake- bin ich wach? ich brauche ein frühstück. ich bin unterzuckert. das lässt einen paranoid werden. scheiße, meine handtasche, also auch mein portemonnaie, ist in bos zimmer. und der pennt. scheiße! warum kann der asssi nicht mal all meine sachen aus seinem zimmer entfernen, bevor er pennen geht... also weiteraufräumen. dies ist stufe zwei.4 stunden schlaf - sind eine gute voraussetzung. in der küche stehen vereinzelt leere und halbleere sternburg-bierflaschen, süffig, würzig. da kommen die erinnerungen der letzten nacht wieder ins bewußtsein: rote farbe, schwarze farbe, zeitungsschnipsel und - metal. eigentlich brauche ich einen kaffee. aber alle tassen stehen im spülbecken unter der fettigen pfanne - abwaschen. dies ist die erste stufe: wenn ein tag so anfängt...
so jetzt reichts, es ist 15 uhr. "bo, meine handtasche!", sage ich klopfend. er antwortet, zu schnell, wußt' ich doch, dass der nicht mehr pennt. jetzt kann ich los, einkaufen gehen. nur der ganze müll muss mit runter: normal, bio, plastik und das altpapier, dazu die handtasche und der regenschirm -weil das ja klar ist, dass es jetzt draußen regnet, zum ersten mal seit wochen. na gut, das mit dem altpapier schaffe ich nicht, aber dafür das einweg-leergut von lidl. unten angekommen: alles scheiße. ich muss wohl reflexhaft den biomüll zugeknotet haben, geht nicht mehr auf, also zum restmüll. müll macht aggressiv, allein durch seine existenz und wenn er dann noch aufmuckt, dann, dann... also phase drei.
ich verlasse den hinterhof, ich möchte mit dem bus zum hermannplatz fahren, um ganz kurz einen waschmaschinenanschluss bei bauhaus zu kaufen. verdammt, wir haben den 4. oktober, d.h., seit vier tagen ist mein semesterticket nicht mehr gültig. ich muss zurück gehen, vier stockwerke hoch, um mein neues semesterticket zu holen. treppen, 86 stufen. arrrgh. naja, dann kann ich nun ja doch noch das altpapier mit runter nehmen. der karton ist zu groß und zu voll, so dass ich fast auf der treppe stürze. mit gesteigertem zorn, aber unbeschadet unten, aber dann wieder dieser verfickte altpapierkarton, den schmeiß ich jetzt weg, wir brauchen da mal einen korb oder papier-tüten, der geht gar nicht. es war der hartnäckigste karton, der mir je unter die augen geraten ist. eine viertel stunde lang kämpfte ich im regen mit dem karton, mit vollem einsatz. dann hatte ich ihn endlich zermatscht. man könnte meinen, dass man sich durch so eine aktion abreagiert - falsch, unsinnige gewalt gegen sachen erzeugt nur noch mehr hass. vier.
nun erstmal diese einwegflaschen wegbringen! zu lidl in der flughafenstraße. ein kläffender pitbull versperrt den eingang. als er mich sieht, hört er kurz auf zu bellen, ich strahle mittlerweile anscheinend schon so starke scheißigkeitswelen aus, dass selbst pitbulls vor mir zurückschrecken. es versteht sich von selbst, dass als ich die plastikflaschen in den zerschretterungsautomat schiebe, ein alarm-signal ertönt. container voll... sowieso. mittlerweile kläfft der pitbull weiter, für mich klingt es wie eine melodie, die sich in meinem kopf fort- und festsetzt. fünf.
ich fahre nun doch lieber mit der u bahn zum herrmannplatz. zum bauhaus. ich brauche ein kleines schnippelstück für die waschmaschine und bauhaus ist riesig. ich streife durch die regale. neonröhren. lampenabteilung. mir ist viel zu heiß. radio-musik. ich bin verloren zwischen geranien-dünger, wäschekörben und eisenwaren. was wollte ich hier eigentlich? ich gehe zur information. niemand da. ok, ich suche weiter. ich kann es nicht finden. es ist unmöglich. also wieder zur information. jetzt ist jemand da. aber es hat sich bereits eine schlange gebildet, mit leuten, denen es anscheinend ähnlich geht. eine halbe stunde später bin ich dran. innerhalb von 2 min. habe ich das benötigte bauteil. raus hier. nur noch hier raus. auf der roll-treppe versuche ich mir noch eins von denn scheuertüchern zu greifen, aber die rolltreppe ist zu schnell, die tücher hängen alle aneinander. ich laufe die rolltreppe bergauf, versuche die tücher zu entwirren, es gelingt nicht, hab ich halt zwei. kosten ja nur 65 cent. an der kasse wird mir nur eins berechnet. ich begehe das erste verbrechen des tages: konkludente täuschung. eigentlich wollte ich ja nur eins, wäre diese scheiß rolltreppe nicht gewesen, dann... sechs.
ich gehe einkaufen bei aldi. ist auch alles scheiße, aber das würde jetzt zu weit führen. nur in stichworten... kein kleingeld für einen einkaufswagen - 10 eier bodenhaltung - vollbeladen - schlange - keine plastiktüten an der kasse und - "schönen tag noch"... wieder in die u-bahn. verdammt, ich brauche noch avocados für samstag. also noch zu kaufland. man könnte meinen, es würde in der nächsten zeit ein krieg ausbrechen, nur noch zwei einkaufswagen stehen einsam im gatter. da ich schwer zu schleppen habe an den aldi-einkäufen, das toilettenpaier ist ja auch nicht so handlich, will ich meine sachen an der information abgeben. schlange stehen. ich bekomme fach 13. ist klar. bio-eisbergsalat. aha. gammel-zitronen. interessant. so wo sind diese fick-avocados abgeblieben??? es gibt keine, nirgends. egal, dann hole ich mir jetzt kippen. schlange. automat "gesperrt". da ruft bo an: "sag mal, wann kommst du eigentlich wieder nach hause?" - "gleich" - "und sag' mal kannst du uns vielleicht eier mitbringen? wir haben nämlich vergessen..." nein, kann nicht, verdammt, ihr könnt mich mal. aufgelegt. ich bin dran. entsperrt. und ich denke noch: hättest mal lieber nen big-pack nehmen sollen... aber ich will nur noch hier raus. raus. raus. raus. sieben.
vielleicht gibt es ja beim gemüseladen auf der ecke a-v-o-c-a-d-o-s. ja, gibt es: zwei stück. datschige. so gut wie verwest. acht.
wieder 86 stufen. meine mitbewohner kochen... wollen essen... aber ich bin kurz vor... stufe 10!!!
ich hole mir eine cola, eiswürfel, ich brauche zucker, zucker, zucker!! rechtsradikale parolen marschieren durch meinen kopf! ich bekomme einen totalen anfall. alle schauen verstört.
langsam, aber nur langsam baut sich der gesammelte hass ab. zucker sei dank. und jetzt erst mal was essen. sehr nett, das der atze gekocht hat, denke ich mit der einen gehirnhälfte, die andere denkt über den abwasch nach.
und jetzt ist es 3:55! die küche sieht aus wie sau. aber da ich schon einige biere getrunken habe -heute ist es mal diebels zur abwechslung, die kommen ja alle vom niederrhein - bin ich entspannt. nur wie wird es morgen sein... darum gehen wems und ich jetzt abwaschen. damit sowas nicht nochmal passiert!
... comment
claudius al-musafir,
Donnerstag, 5. Oktober 2006, 22:02
Großartig!
Na das ist doch ein wunderbarer Einstieg in die Welt von Kleinbloggersdorf! Ich bin gespannt was als nächstes kommt! Magst du einen Link zu mir setzten?
... link
... comment